Chor 2018 2 mit Veston

Unsere Vereinsgeschichte

Die Gründerzeit

Vor zweiundsiebzig Jahren wurde unser Jodlerchörli gegründet. Zu den Gründern gehörte alt Lehrer Bucher sel., welcher erster und langjähriger Dirigent und verdientes Ehrenmitglied unseres Chörlis war. Seiner auch heute noch lesenswerten Chronik von Oberkirch entnehmen wir den folgenden gekürzten Text:

«Bei Wirt Wicki Juli im Hirschen ertönte oft bei gemütlichem Höck ein Volkslied ums andere. Es kam der unselige Weltkrieg 1939/45. Die Soldaten standen an der Grenze und im Reduit, jederzeit bereit, die liebe Heimat zu verteidigen. Auch aus der Gemeinde Oberkirch rückten die Wehrmänner regelmässig in den Aktivdienst ein.

Sie fanden gute Kameraden und liebten den fröhlichen Gesang. Mit frohen Liedern und Jodelgesängen sorgten sie für Abwechslung im alltäglichen Betriebe. Wenn sie wieder zum Urlaub oder zur Entlassung heimkehrten und bei angeregter Tafelrunde von ihren Erlebnissen erzählten, da stieg zuweilen ein froher Jutz und riss die andern in heller Freude mit. Und wenn dann der Hirschen-Juli noch seine kräftige Stimme dazu ertönen liess, so war die Begeisterung nicht mehr zu halten. So reifte immer mehr der Entschluss, in Oberkirch ein Jodlerchörli zu gründen. Einige wagemutige Kameraden gingen ans Werk. Es fanden sich weitere sangeslustige Männer und Jungmänner, die schon andern Dorfvereinen und auswärtigen Jodlerklubs angehört hatten, oder aus irgend einem Grunde, zum Teil auch in konfessioneller Hinsicht, noch keinen Anschluss gefunden hatten, zu einem Verein zusammen. Am 25. November 1944 wurde im Säli zum Hirschen das Jodlerchörli gegründet. Die treibenden Kräfte waren: Gebrüder Albert, Alfred und Leo Albrecht, Hinterrain, Julius Wicki, Hirschenwirt, Richard Achermann, Kaufmann, Hirschmatthof, Xaver und Otto Graf von der Käserei, Hans Marti, Monteur, Hirschen und die Berner vom Kehrhof: Ernst und Hans Sommer und Fritz Trachsel. Als Dirigent wurde der Lehrer Peter Bucher, der bereits den Kirchenchor und die Musikgesellschaft dirigierte, erkoren. Als Oberjodler wirkte Albert Albrecht (genannt Toni) und als zweiter Jodler Richard Achermann.

Die erste Probe fand am Samstag, 2. Dezember 1944 im Unterschulzimmer (Red.: im heutigen Gemeindehaus beim Gasthaus Hirschen) statt. Schon kurz darauf traten Werner Graf, Käserei und Konrad Hodel, Weierweid, bei. Die Besetzung war in allen Stimmen gut, und freudig ging's an die Arbeit. Mit drei Proben konnte das erste Engagement absolviert werden. Es war dies am Dienstag, den 19. Dezember 1944 an einer Armeefilmvorführung der Ortswehr Oberkirch im Hirschen. Mit vier Liedern wurde der erste Erfolg geerntet.

Im Verlaufe des ersten Vereinsjahres traten Hermann Thalmann, Rankhof, Hans Steinmann, Mauensee und Kaspar Huber, Kirchenau bei. All diese genannten Sänger dürfen als die Gründer und Wegbereiter des Chores genannt sein… Am Ende des ersten Vereinsjahres konnten bereits 20 Engagements und Auftritte mit 54 Proben und 20 verschiedenen Liedern gebucht werden.» Soweit aus Peter Buchers Gemeindechronik.

Die Zeit danach

Zu den jährlichen Höhepunkten in unserem Vereinsleben gehörte häufig die Teilnahme an einem Verbandsoder gar Eidgenössischen Jodlerfest. In den ersten Jahren unserer Vereinsgeschichte mussten sich unsere Jodler an solchen Festen als noch Unbekannte in der grossen Jodlerfamilie besonders bewähren. 1949, als sie in Bern zum zweiten Mal an einem Eidgenössischen Jodlerfest teilnahmen, wurde erstmals ihr Vortrag mit dem Prädikat «sehr gut» belohnt. Seither hat das Chörli immer die Klasse 1 erreicht. Details kann man auf der Seite "besuchte Jodlerfeste" nachlesen.

Ein Grund dieses Erfolges mag sicher sein, dass wir von häufigen Dirigentenwechseln verschont blieben. Franz-Markus Stadelmann, der unser Chörli seit 2002 mit grossem Geschick, fachlicher Kompetenz und Erfolg leitet, ist erst unser fünfter Musikalischer Leiter. Geboren und aufgewachsen ist er in Escholzmatt, heute wohnhaft in Luzern. Er hat eine umfassende Gesangsausbildung genossen. Juryleiter und Gesamtobmann an diversen Unterverbands und Eidgenössischen Jodlerfesten zeichnen sein grosses Können aus. Bekannt ist FranzMarkus Stadelmann auch als begabter Sänger, zum Beispiel mit dem Äschlismatter Jodlerterzett oder als Finalist bei den «Grössten Schweizerhits» 2009 mit dem Titel «Wunderbar» von Jack Säuberli, zusammen mit Franziska Wigger und dem Wunderbar-Ensemble.

Mehrere Auftritte in Radio und Fernsehen und bis heute insgesamt sieben eigene Tonträger und auf weiteren verschiedenen Tonträgern vertreten, halfen mit, den guten Ruf unseres Chörlis zu verbreiten. Dazu trugen sicher damals auch die Jodlerduette Hans Bossert – Richard Achermann, Albert Vitali – Ueli Sommer und Josef Ottiger – Josef Kunz sowie Albert Vitali als bekannter Einzeljodler mit ihren vielen Auftritten und verschiedenen Tonträgern bei.

Unser Ehrenpräsident Albert Vitali hat unser Chörli in all den Jahren besonders geprägt. 1975 trat er unserem Chörli bei und war gleich von Beginn weg mit seiner Naturstimme als erster Jodler bis heute eine tragende Stütze. Als Einzeljodler war er ein begabter Interpret der Jakob Ummel Lieder. 16 Jahre lang, nämlich von 1980 – 1996, stand er als umsichtiger, dynamischer Präsident unserem Chörli vor. Als OK-Präsident der Jubiläen 1994, 2004 und 2014 prägte er auch da die Feierlichkeiten mit. Als Gemeinderat in unserer Gemeinde und Kantonsrat in Luzern, politisiert er heute als Nationalrat in Bundesbern.

Unsere Trachten

Kurz nach der Gründung konnte unser Chörli im Jahr 1945 die erste Tracht, eine Nidwalder-Bluse anschaffen. Im Jubiläumsjahr 1964 wurde die zweite Tracht, ebenfalls eine Nidwaldner-Bluse, mit dem Oberkircher und dem Luzerner Wappen eingeweiht. Zum 30-jährigen Jubiläum im Jahre 1974 bekam das Chörli ein blaues Gilet. 1984 gab es die heutige Tracht, ein Kittel mit weinrotem Gilet. Diese Tracht hat uns während über 30 Jahren begleitet. Im Mai 2016 durften wir unsere neue Tracht einweihen. Das war für uns eine besondere Freude!

Abschliessend bedanken wir uns bei allen herzlich für die jahrzehntelange Unterstützung, diese gibt uns Kraft und Zuversicht. Möge es auch in Zukunft so bleiben, dass wir Ihnen weiterhin mit unseren Jodelliedern viel Freude bereiten können.